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Fahrbericht Opel Ampera: Fahren ohne Steckdosenzwang


Für Automobilhistoriker sei angemerkt: Wir erleben jetzt das Ende der dritten Elektroauto-Euphorie. Vor hundert Jahren endete der Elektroantrieb wegen der Batterie. Ende der 90er Jahre schaffte selbst der heftige Zwang der Gesetzgebung in den USA es nicht. Die US-Administration scheiterte damals ebenso an der Batterie wie die heutigen Elektroautos. Was bleibt vom aktuellen Elektro-Hype? Nur Frust oder doch sinnvoll nutzbare Autos? Wir fragten uns das am Steuer eines Opel Ampera.

So viel scheint klar: Autos, die ihre Energie nur aus einer Batterie ziehen, werden sich in Zukunft in Nischen tummeln als Stadtlieferwagen, Cityflitzer und manche sogar als Supersportwagen. Das universell und ganzjährig einsetzbare Familien-Fahrzeug fürs Pendeln und die Urlaubsreise werden diese Nischenflitzer nicht ersetzen können. Da werden der Otto- und der Dieselmotor noch lange überlegen bleiben, flankiert von Hybrid-Fahrzeugen.

Doch das klassische Hybrid-Automobil bewährt sich nur in der Innenstadt, wo ständig stockender Verkehr dem Hybridantrieb zugute kommt. Bleiben nur noch die Plug-in-Hybrids, bei denen eine größere Batterie den Elektromotor solange versorgen kann, bis man zum Beispiel den Innenstadtbereich erreicht oder durchquert hat und damit dort keine Emissionen verursacht hat. London war die erste Großstadt, die den Verkehr in die City so steuerte: Elektrisch fahrende Autos dürfen kostenlos rein, die anderen müssen zahlen.

Anfangs hatten die Londoner mit dieser Regelung die Dieselfraktion erzürnt, weil die erste Generation der Hybridfahrzeuge einfahren durfte, obwohl die nur ein paar hundert Meter elektrisch fahren konnten und danach wieder auf den Benzinmotor umschalten mussten. Kleine Dieselmotoren emittierten viel weniger als die hochgelobten Hybridfahrzeuge. Das gilt übrigens auch für Überlandfahrten in Deutschland. Ob auf der Bundesstraße oder der Autobahn – der Diesel braucht meist weniger als ein Hybrid.

Ausnahme: der Plug in-Hybrid. Mit seiner größeren Batterie rollt er mit Strom aus der Steckdose erst einmal ein paar Dutzend Kilometer, bevor der Benziner anspringt. Das wirkt sich in jedem Fall günstig auf den Gesamtverbrauch aus, einerlei, ob die elektrischen Kilometer am Anfang der Tour oder vielleicht am Ziel, in einem Innenstadtbereich, abgerufen werden.

Wir wollen uns nicht an dem Streit beteiligen, ob der Opel Ampera nun ein Hybrid-Fahrzeug ist oder nicht. Tatsache ist, er hat zwei Motoren an Bord, einen kleinen Vierzylinder-Benziner, den Range Extender, und den elektrischen Fahrmotor von 111 kW / 150 ´PS. Der Ampera fährt immer elektrisch; der Motor lädt nur die Batterie auf und hat keinen mechanischen Kontakt zu den Rädern. Beim herkömmlichen Hybrid teilen sich die beiden Motoren die Aufgabe des Vortriebs,

Rein batterieelektrisch versorgt schafft der Ampera um die 60 Kilometer. Wir wollten mal sehen, was auf der Uhr steht, wenn wir auf die Autobahn gehen. Dort schafften wir bei flotter Fahrt keine 40 Kilometer, bis sich das Motörchen zuschaltete. Akustisch hält es sich zwar im Hintergrund, aber man fühlt mit ihm, wenn man die mit 161 km/h angegebene Höchstgeschwindigkeit fährt.

In diesem Fall der scheinbar leeren Batterie ändert sich nichts am Fahrverhalten. Der Sprint von 0 auf 100 km/h dauert immer noch neun Sekunden, und die Höchstgeschwindigkeit liegt immer noch oberhalb 160 km/h. Die Batterie enthält auch dann immer noch so viel Energie, dass die 111 kW / 150 PS des Elektromotors sich austoben können.